Abmahnung wegen WhatsApp?

iPhone | Quelle: Pixabay.com | Lizenz: CC0 / GemeinfreiAktuell geht wieder so eine geile Meldung durch die Medien: Nutzer von WhatsApp können jetzt zur Kasse gebeten werden. So hat ein Gericht in Hessen entschieden.

Sobald man auf einem Smartphone, Tablet oder sonstigem Mobilgerät WhatsApp installiert, scannt die App automatisch die im Gerät gespeicherten Kontakte durch und schaut nach, welcher Kontakt ebenfalls über WhatsApp verfügt. 

Um das zu tun, werden Daten wie Name und Telefonnummer an die WhatsApp Server übertragen um dort abzugleichen, ob es zu den Daten einen passenden WhatsApp-User gibt. Das passiert, ohne die Kontakte um Erlaubnis zu bitten – Vollautomatisch.

Und genau da setzt das neue Urteil an – Geht dann aber völlig falsche Wege!

Das Gericht in Hessen ist der Meinung, dass dieser Datenabgleich, der ja völlig ohne Zustimmung und ohne das Wissen der Kontakte stattfindet gegen § 28 des Bundesdatenschutzgesetzes verstößt und das Recht der informellen Selbstbestimmung verletzt.

Bis zu dem Punkt kann ich das Urteil auch noch nachvollziehen.

Der Hammer kommt aber jetzt. Denn wer auf diese Weise Kontakte bei WhatsApp importiert, kann kostenpflichtig abgemahnt werden – Die nächste Abmahnwelle von geldgierigen Schmiersäcken steht uns also unmittelbar ins Haus.

Die Abmahnung trifft aber die Nutzer von WhatsApp direkt! 

Ich für meinen Teil hätte nun erwartet, dass WhatsApp bzw. der Mutterkonzern Facebook zwecks Abmahnung herangezogen und zur Nachbesserung aufgefordert wird. Aber nein – Die Abmahnungen gehen an die Nutzer direkt! Und damit nicht genug: Da es sich bei dem Verfahren um eine Familienangelegenheit handelte, hat das Gericht darüber hinaus entschieden, dass es nun die „Notwendigkeit einer Eltern-Kind-Medien-Nutzungsvereinbarung“ gibt. Darin wird unter anderem darauf hingewiesen, dass die Eltern in der Pflicht sind, sich mit allen Smart-Devices, allen Apps und allen Funktionen der Geräte ihrer Kinder perfekt auskennen müssen und die Kinder im Umgang mit den Geräten schulen müssen. Dazu gehört auch, dass man das gesamte Gesetzes-Wirrwarr sowie die AGB jeder einzelnen Software im Kopf haben muss.

Geht’s noch? Wer sich so einen Tinnef ausdenkt, muss schon ganz schön einen nebenherlaufen haben. Falls die grauen Eminenzen im Gericht sich mal für einen Moment an ihre Kindheit erinnern möchten: Wer hat damals wem die Programmierung der Videorekorder erklärt? Denkt ihr, dass das heute anders ist?

Ich sehe schon Eltern in Panik geraten und ihren Kindern alle technischen Neuentwicklungen vorenthalten. Und Mutti Merkel redet davon, dass wir in Deutschland die Digitalisierung vorantreiben müssen, da vielerorts die Gemeinden rückständig sind. Liebe Frau Merkel: Wundert sie das bei solchen Gerichtsurteilen?

Am besten treiben wir die Energiewende dadurch voran, dass wir nun wieder mit Pferdewagen und Kutsche durch die Maroden Gassen rumpeln.

Hier sollte man sich wirklich mal überlegen, ob man in die richtige Richtung denkt. Vielmehr sollten Whatsapp oder Facebook hier zur Kasse gebeten werden. Die müssen nachbessern als Anbieter und Betreiber der Software. Die User verwenden nur eine App, die sich *AUTOMATISCH* synchronisiert, ohne dass man etwas dagegen machen kann.

Ich hoffe wirklich, dass das Verfahren in eine weitere Instanz geht und dass man das Urteil noch einmal überdenkt. Ansonsten müssen die Menschen eben einfach mal so spontan alle sozialen Kontakte abbrechen und sich wieder auf die guten, alten Zeiten besinnen…

Müsste man nicht eigentlich auch darüber nachdenken, wer eine solche Abmahnungen letztlich anstrengt? Wer sollte mich denn nun verklagen? Die Freunde in meiner Kontaktliste? Die auch alle WhatsApp nutzen? Oder der freundliche Nachbar, dessen Rufnummer man für Notfälle gespeichert hat? Wohl kaum…

In der Zwischenzeit rufe ich mal meine Familie an, um ihnen von diesem Schwachsinn zu erzählen. Vorausgesetzt, ich finde irgendwo einen Münzfernsprecher….

 

2 Gedanken zu “Abmahnung wegen WhatsApp?

  1. Es tut mir leid, aber HIER hat das Gericht recht und gleichzeitig unrecht damit! Allgemein finde ich es Problem, das eine App, um sie zu benutzen, sich durch die gesammten Kontakte wühlen darf.

    1. der Datenschutz wurde hier verletzt, das steht außer Frage! Denn einfach so alle Einträge ohne Nachfrage zu einen dritten zu übermitteln, geht einfach nicht!

    2. Die Strafe sollten nicht die Eltern tragen, sondern ganz alleine Fratzenbuch! Die müssten mit Abmahungen bombadiert werden. Schon alleine weil die den Datenabgleich, wo Sie zugesichtert hatten, das da nix passiert bei der Übernahme, dennoch ausgeführt haben!

    • Warum tut Dir das leid? Ich sage ja nur, dass das Urteil in die falsche Richtung geht und nicht die User Abgemahnt werden sollten, sondern WhatsApp / Facebook. Das ist ja letztlich die Kernaussage in dem Blog.

      Und die Eltern-Kind-Vereinbarung zur Schulung an aller Software und Hardware auf der Welt ist Tinnef^^

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