Atomkraft – Die Illusion der billigen Energie

NOAA Messung Fukushima | Quelle: US NOAA | Lizenz: Public DomainHier im Bild sieht man nicht etwa das besonders farbenfrohe Ergebnis einer künstlerischen Nachbearbeitung einer Erd-Karte sondern die Ausbreitung nuklearer Kontamination ausgehend vom havarierten, japanischen Kernkraftwerk in Fukushima. Demnach ist der gesamte Pazifik inzwischen radioaktiv verseucht.

Selbst fünf Jahre nach dem verheerenden Tsunami der nach einem Seebeben große Teile von Japans Westküste verwüstet hat und zu einer nuklearen Kernschmelze im Kraftwerk bei Fukushima geführt hat, nimmt die Katastrophe kein Ende. Noch immer kämpfen tausende Arbeiter um eine Stabilisierung der Situation und es wird noch Jahre dauern, bis von der Ruine keine unmittelbare Gefahr mehr ausgeht.

In Deutschland hat man sich inzwischen zu einer Abkehr von der Kernkraft entschieden, doch wie sieht es global aus? Erschreckender weise muss ich sagen, dass die Menschheit als Ganzes offenbar keinen Deut schlauer geworden ist.

Eine ältere Dame aus meinem Bekanntenkreis hat noch vor knapp 10 Jahren schwärmerisch einen ihrer Lehrer aus der Schule in ihrer Kindheit zitiert: „Wenn wir eines Tages das Atom spalten können, wird es überall auf der Erde genug günstigen Strom für alle Menschen geben.“ Heute, etwa 70 Jahre später gehört die Kernkraft zum Alltag – Günstige Energie jedoch keinesfalls. Auch wenn es zwischenzeitlich so schien, dass wir eine saubere, unbegrenzte Energiequelle anzapfen könnten, wurden wir inzwischen eines besseren belehrt.

Denn die Kernkraft ist alles Andere als kontrollierbar. Schon ein kleiner Fehler oder ein unvorhergesehenes Ereignis können zu katastrophalen Ereignissen führen.

1979 – 1986 – 2011

Drei Jahre, die der Menschheit für immer im Gedächtnis eingebrannt bleiben sollten. 1979 kam es zu einer Kernschmelze im U.S. Amerikanischen Kraftwerk „Three Mile Island„, 1986 im russischen Kernkraftwerk bei „Tschernobyl“ und 2011 im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi. Die Auswirkungen auf den Planeten und allen Lebens auf ihm sind bis heute nicht vollständig geklärt. Sogenannte „Volkskrankheiten“ werden jedoch seit diesen Vorfällen immer häufiger dokumentiert – Oft mit dramatischem Ausgang für die Betroffenen. Von dem ganzen, strahlenden Abfall versunkener, nuklearer Kriegsschiffe, U-Boote und Satelliten wollen wir an der Stelle mal gar nicht sprechen.

Doch auch, wenn es keinerlei Unfälle mehr geben wird – was relativ unwahrscheinlich ist – so haben wir dennoch das Problem der Endlagerung. Bisher wurde noch ein geeignetes Depot auf der Welt gefunden, in dem wir den strahlenden Abfall aus der Kernkraft entsorgen könnten. Man muss sich nur einmal kurz vor Augen halten, dass eine Forschergruppe in den USA daran arbeitet, Hinweistafeln und Warninformationen für nukleare Endlager zu entwickeln, die auch von nachfolgenden Zivilisationen gelesen und verstanden werden können. Wir reden also von Bunkeranlagen, die zehntausende Jahre halten müssen.

Trotzdem sind weltweit mehr Kernkraftwerke am Netz als jemals zuvor. Ende 2014 zählte man 437 aktive Kernmeiler und unzählige weitere im Bau. In Frankreich betrug der Anteil an Kernkraft bei der Stromproduktion im Jahre 2014 satte 73%! Wo ist der Sinn vom Ausstieg Deutschlands wenn die Nachbarn munter weiter strahlen?

Es stehen inzwischen so viele neue Technologien zur Verfügung – Unsere Solarzellen werden täglich besser, die Speicherkapazität der Akkus ebenfalls und auch die Fusionsenergie macht gewaltige Fortschritte. Trotzdem denkt selbst Japan inzwischen über einen groß angelegten Wiedereinstieg in die Kernkraft nach.

Wann wird die Menschheit endlich verstehen, dass dies einer der großen Fehler war, den die „beste Generation“ gemacht hat. Und dass die Kernkraft eine Technologie von Gestern ist, die in unserer Gesellschaft keine Existenzberechtigung mehr hat. Denn selbst, wenn der Strom dadurch günstiger sein sollte, ist der Preis, den wir dafür zahlen dennoch viel zu hoch.

4 Gedanken zu “Atomkraft – Die Illusion der billigen Energie

  1. Das problem der Solarzellen ist aber einfach, das diese nie mehr Energie abgeben, als bei der Produktion in Sie gesteckt wurde. Und diese Energie muss auch erstmal erzeugt werden.
    Wesentlich effektiver sind die Systeme, wo Wasser mit Hilfe der Sonne stark erhitzt und dann in Wärme und Energie umgewandelt wird.
    Das die Fusionsenergie noch nicht soweit ist, liegt meiner Meinung nach an der Ölindustrie, die soweit ich weiß wichtige Patente dafür hält und nicht freigeben will, um ihre Gewinne hochzuhalten.
    Wo ich aber auch ein Problem bei Fusionsenergie sehe ist, das wir damit unsere Erde langsam austrocknen würden. Klar dauert das dann lange aber auf Dauer ist das auch nicht die Lösung. Außerdem, wohin mit dem Helium, welches bei der Energiegewinnung entsteht? Auf lange Frist entsteht da auch ein Überangebot und in die Luft sollte man das auch nicht entweichen lassen.

    • Moment mal..

      Du willst mir erzählen, dass ein Solarpanel, welches 30 Jahre lang im Dienst ist zum Ende seiner Lebenszeit nicht mehr Energie erzeugt hat, wie es in seiner Produktion verbraucht hat? Halte ich für sehr unwahrscheinlich.

      Die Fusionsenergie macht sowohl in Europa, als auch in den USA und China gewaltige Fortschritte. Getragen wird die Forschung fast immer von den Staaten selbst (abgesehen von einer Waffenfirma in den US die gerne mit tragbaren Mr. Fusions die nötige, mobile Energie für nen mächtigen Wumms bereitstellen möchte). Da gibt es nicht viele Patente, das ist Neuland.

      Und austrocknen werden wir die Erde wohl kaum – Zumindest nicht in den nächsten paar Millionen Jahren. Danach spielt das dann auch keine Rolle mehr.

      Bis dahin eine Kombination aus allen erneuerbaren Energieträgern zu verwenden halte aber auch ich für den richtigen Ansatz.

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