Degeneration auf Raten – Werden wir immer dümmer?

Gehirn | Quelle: Pixabay | Lizenz: CC0 / Gemeinfrei„Die Leute werden immer dümmer!“ Diesen Spruch hört man inzwischen an jeder 2. Straßenecke.

Kann das sein? Wir bauen doch immer tollere Geräte, vernetzen uns weltweit, tauchen Ideen, Gedanken und lernen täglich neue Dinge kennen.

Doch wenn man einigen Wissenschaftlern glaubt, so wird gerade das uns zum Verhängnis. Denn tatsächlich scheint das Menschliche Gehirn wieder zu schrumpfen.

Bahnbrechende Entdeckungen wie zu Zeiten der Renaissance oder Einsteins bleiben immer öfter in unseren Zeiten aus oder verschwinden in der Bedeutungslosigkeit.

Die Ursachen dafür sind in unserer aktuellen Gesellschaft zu suchen – Und in unserer eigenen Natur.

Permanentes Handy-Klingeln, Emails und Nachrichten alle paar Sekunden, eine unglaubliche Informationsflut in den Medien und viel zu viel Arbeit in viel zu wenig Zeit sowie fehlende Pausen sind laut Forschern der Universität Erlangen-Nürnberg die Hauptverursacher für diesen Trend. Dazu kommen natürlich noch weitere Faktoren wie exzessiver Alkoholkonsum, wie er in weiten Teilen der westlichen Welt verbreitet ist.

Aber auch genetisch ist dieser Trend zu begründen. In der Hauptsache hat der Mensch seine Intelligenz nur seinem Überlebensinstinkt zu verdanken. Wie heißt es doch so schön: „Not macht erfinderisch“. Und das ist in der Tat so, wie Neurowissenschaftler nun herausgefunden haben. In der sogenannten „ersten Welt“ leben wir größtenteils im Überfluss, sie nennen das „Vollkasko-Leben“. Mit großen Städten wurde die Natur weitgehend gebändigt, die Gefahr aufgrund von Umwelteinflüssen zu Schaden zu kommen ist in unserer modernen Welt nicht einmal ansatzweise so hoch, wie auf dem Planeten, den unsere Vorfahren kannten.

Der amerikanische Entwicklungsbiologe Gerald Crabtree sagt dazu sogar:

„Ich würde wetten, dass ein durchschnittlicher Bürger aus dem Athen vor 3000 Jahren, der plötzlich in unserer Zeit auftauchen würde, einer der hellsten und intellektuellsten Köpfe wäre. Mit einem guten Gedächtnis, einer großen Palette von Ideen und einem klaren Blick für das Wesentliche.“

Quelle: ScienceDirect

Das soll aber nicht nur von Nachteil sein, so führt Crabtree weiter an – Einen Hoffnungsschimmer gibt es da wohl doch: Denn obwohl unser Hirnvolumen offensichtlich seit der Steinzeit wieder zurück geht, so wächst das Stirnhirn inzwischen an. Und das ist für unser soziales Verhalten zuständig. Sollte Crabtree damit recht behalten, so sind wir Menschen in 250 Generationen zwar etwas weniger Kreativ – Dafür aber deutlich sozialer und könnten in einer Gesellschaft ohne Kriege leben.

Unumkehrbar ist dieser Trend aber noch bei Weitem nicht.

Angenommen wir beginnen in ein paar hundert Jahren tatsächlich mit der flächendeckenden Kolonisierung des Weltraumes, so wird der Überlebensinstinkt trotz modernster Technologie wieder eine wichtige Rolle für das Überleben der Menschheit spielen. Und somit sollte langfristig auch wieder das Gesamt-Gehirnvolumen zunehmen.

2 Gedanken zu “Degeneration auf Raten – Werden wir immer dümmer?

  1. wird auch mit von der Tatsache abhängen, das es mittlerweise viel zu viele von uns gibt, was jedem unterbewusst auch klar ist. Man kann sich einfach zu sehr darauf verlassen, das es noch mindestens 5 andere in Reichweite gibt, die die gleichen Aufgaben auch machen können, wenn man nicht da wäre. Das führe zu Trägheit und zu entsprechenden Änderungen im Hirn.

    Lustig wird es erst wieder, wenn die aktuell modernen Ressourcen zur Neige gehen. Da haben noch viele in der Welt gar nicht realisiert, sondern leben im absoluten Kommerz, wo aus Schonung geschissen wird.

    • Richtig. Und vor allem dieses Vollkasko-Leben macht träge. Man sollte viel mehr von den Menschen in den nicht ganz so entwickelten Gegenden der Erde lernen. Dann würden die Leute wieder viel mehr selber machen. Aber das ist ja nicht gewünscht…

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