Deutschland 2.0 – Die Zukunft liegt vor der Haustür

LaEw, „Riss in der Mauer“, CC-Lizenz (BY 2.0)Während andernorts über eine schwarze Null gesprochen wird, beginnt der Rückgang von Eis und Schnee im Ruhrgebiet einmal mehr die Spuren von Winter und dem Zahn der Zeit offen zu legen.

Risse in Hauswänden und tiefe Krater in den Straßen gehören zum allgemeinen Stadtbild der Metropole Ruhr. Und gerade hier – im bevölkerungsreichsten Teil Deutschlands – wäre ein frischer Anstrich inzwischen mehr als angebracht. Aber auch das wäre wieder nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn die Probleme liegen viel tiefer begraben als unter bröckeligen Fassaden und maroden Brücken.

Die seit Jahren klammen Westhaushalte versuchen jedes Jahr aufs Neue mit Teer, Farbe und Asphalt das zusammen zuhalten, was wir unser Zuhause nennen – Und das ist inzwischen an vielen Orten leider nicht viel mehr als ein gigantischer Flickenteppich. Gleichzeitig argumentiert man, dass Vandalen all dies was man aufbaut gleich wieder verschmieren und zerstören.

Und wen wundert das? Der Mensch wird von Unmut und Kummer erdrückt, wenn er durch die zerbröckelnden und verdreckten Straßen seiner Heimat spaziert – Sofern man sich den Weg durch die engen, von Autos zugestellten Wege noch bahnen kann. Da helfen auch die kürzlich angekündigten „Ping-Pong“ Spiele an Ampeln nicht wirklich weiter. (Wurden in diesem Artikel erwähnt) Man bekämpft seit langen Jahren nur die Symptome statt sich den eigentlichen Ursachen zuzuwenden.

Und so bleibt man letztlich lieber in den eigenen vier Wänden und nutzt das Internet um die Welt zu sehen.

Mir reicht es – Was wir brauchen ist ein Neustart! Und den brauchen wir bald.

Aber wie könnte der aussehen? Es folgt ein Gedankenspiel zu einer möglichen Zukunft in Deutschland – Eine lose Sammlung von Ideen zur Verbesserung von Verwaltung und Infrastruktur mit dem Ziel das alltägliche Leben in deutschen Städten nicht nur erträglicher sondern wieder lebenswert zu machen.

Denn wie meinte Bertolt Brecht einst so treffend:

„Die Schwärmerei für die Natur kommt von der Unbewohnbarkeit der Städte

Schon längst reicht es nicht mehr, die alten Straßen und Gebäude zu sanieren. In Zeiten wie diesen würde ich daher einen kompletten Neubau ganzer Stadtviertel empfehlen. Früher oder später müssen wir das tun – Und wenn, dann sollten wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.

Da wir nach der deutschen Wiedervereinigung an und für sich dazu angehalten sind, uns auf eine eigene Verfassung zu einigen um ein System zu etablieren in dem wir anschließend an die Nachkriegsordnung leben wollen, möchte ich hier ein paar Vorschläge machen bzw. Ideen ausbreiten, wie wir unser Verwaltungssystem auf künftige Herausforderungen vorbereiten könnten.

Eines vorab: Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Geschichte des Kapitalismus die Geschichte seiner Fehler ist. Und dessen Grundfeste sind in letzter Zeit mehr als nur einmal erschüttert worden. Man sollte also stets auch Ideen ernsthaft in Erwägung ziehen, die das Leben in einer Post-Kapitalistischen Welt einbeziehen. Sei es durch eine Neuregelung des internationalen Kapitalismus oder eine Umstrukturierung des monetären Systems an sich. Denn Geld wurde geschaffen um den Menschen zu dienen – Nicht um das Volk zu versklaven. Aber dazu vielleicht ein Andermal mehr – Jetzt möchte ich zunächst ein paar Vorschläge für die näherliegenden Probleme unseres Landes machen.

Jedes neue Gebäude soll künftig verpflichtend einen eigenen Stellplatz für Fahrzeuge unter, neben oder hinter dem Gebäude bereit stellen. Diese Stellplätze sollen so ausgelegt sein, dass die Bürger im Straßenverkehr abgestellte Fahrzeuge weder als Hindernis noch als optische Belästigung wahrzunehmen brauchen. Fahrzeuge am Fahrbahnrand sehen nicht nur schlecht aus – Sie stehen im Weg herum und behindern die Sicht. Auch die Straßenreinigung wird wesentlich besser funktionieren, wenn nicht überall geparkte, dreckige Autos herum stehen.

Stellplätze müssen in der doppelten Anzahl der im Haus ansässigen Parteien vorhanden sein, ein Abstellen von Fahrzeugen außerhalb der bereitgestellten Zonen darf nicht zulässig sein. (Ausgenommen Lieferverkehr sowie Service-Fahrzeuge im Auftrag der Zonen-Verwaltung). Eine Anforderung an die Stellplätze ist zudem ein Anschluss an eine zweite Leitung des Abwassersystems, welche dem Auffangen sowie der Rückleitung von auslaufendem Öl und sonstigen Flüssigkeiten aus abgestellten Fahrzeugen dient. Das gereinigte Wasser aus diesem Kreislauf kann beispielsweise zum Speisen von Toiletten verwendet werden – Für diese ist kein Trinkwasser erforderlich!

Für den Fall, dass solche Stellplätze nicht direkt an den Gebäuden errichtet werden können, soll es alternativ möglich sein, für jeden Straßenzug / Straßenblock einen öffentlichen Parkplatz zur Verfügung zu stellen. Auch dieser muss selbstverständlich oben genannten Anforderungen genügen und sollte sich nicht mehr als 200 Meter von den entferntesten Gebäuden des jeweiligen Straßenzuges befinden. In dicht besiedelten Blocks sollte es sich dabei idealerweise um ein (möglichst unterirdisches) Parkhaus handeln.

Sollten Vorstadt-Blocks mit kleineren Straßen und Einfamilienhäusern errichtet werden, so dürfen Fahrzeuge auch auf einer Einfahrt abseits des Gehweges abgestellt werden. Diese muss gut einsehbar sein und ebenfalls über einen gesonderten Schadstoffabfluss verfügen.

Nur so kann ein reibungsloser Ablauf des Straßenverkehrs sowie ein friedliches Miteinander dauerhaft gewährleistet werden. Zudem können so stets ein ausreichend großer Gehweg und breitere Fahrbahnen inklusive einer Toleranz zu beiden Seiten und zur Mitte hin eingerechnet werden um dem steigenden Verkehrsaufkommen und der damit einhergehenden, wachsenden Anzahl verkehrsbedingter Unfälle Herr zu werden.

Auf jedem Gehweg soll zudem eine ausreichend breite Spur für Radfahrer fest einkalkuliert werden.

Ferner müssen neue Straßenzüge und Gebäude so angelegt werden, dass eine Sperrung einzelner Straßen oder aufwändige Arbeiten an den Gebäuden so möglich sind, dass der Verkehr jederzeit umgeleitet werden kann ohne übermäßig große Behinderungen zu verursachen. Ein gitterartiges Blocksystem wie es beispielsweise in einigen Mega-Metropolen der USA verwendet wird erscheint hier derzeit am effizientesten.

Jeder Straßenblock soll zusätzlich über eine Art Wartungszugang verfügen, so dass bei entsprechend verlegten Leitungen und Kanalisationswegen Wartungsarbeiten möglich sind, ohne die Straßenoberfläche dafür beschädigen zu müssen. Setzt man darüber hinaus Straßensegmente ein die einzeln austauschbar sind, so erreicht man ein erhöhtes Maß an Standartisierung, senkt künftige Wartungskosten und vermeidet die Bildung eines „Flickenteppichs“ der letztlich zur Beschädigungen an Fahrzeugen und der „Verschandelung“ des Stadtbildes führt.

Solche Segmente können darüber hinaus mit Sensoren zur Überwachung von Temperatur und Verkehrsauslastung ausgestattet werden, um ein effizientes Frühwarn- und Verkehrsleitsystem zu ermöglichen. Fest installiert sollten zudem Elemente zur Stromerzeugung sein, welche den Druck passierender Fahrzeuge und Personen nutzen. Damit können Fahrbahnheizung und Straßenbeleuchtung gespeist werden, was den Geldbeutel der Kommunen weiter entlastet. Solche Systeme werden in Teilen Europas bereits heute sehr erfolgreich eingesetzt. Die Straßenbeleuchtung kann die in den Segmenten eingelassene Sensorentechnologie ebenfalls dazu nutzen, stark befahrene Bereiche stärker zu beleuchten oder nicht genutzte Straßenzüge abzudimmen.

Doch auch über das Verkehrswesen hinaus muss sich einiges tun.

Jede Zonenverwaltung (Stadtteile, Landkreise etc) hat dafür Sorge zu tragen, dass es neben einem Kulturförderungszentrum für Menschen aller Altersklassen einen direkten Ansprechpartner in der Verwaltung gibt. Dieser soll nicht nur telefonisch sondern in Form eines öffentlichen Büros jederzeit für die Sorgen und Wünsche der Bürger in der jeweiligen Region erreichbar sein. Eingebrachte Anträge sollen auch formlos möglich sein und in regelmäßigen Bürgerversammlungen zur Abstimmung gebracht werden.

Diese Versammlungen sollen auch dem Zweck dienen, die Bürger über anstehende Projekte und Neuerungen in ihrer Region und darüber hinaus zu informieren. Auch eine jährliche Erfolgsbilanz aller Aktivitäten muss jederzeit zur allgemeinen Ansicht vorliegen. Dabei ist es absolut notwendig, alle Dokumente und Informationen in einem Wortlaut zu verfassen, der für Bürger mit allgemeinem Wissensstand ohne weiteres verständlich und an jedem Punkt nachvollziehbar ist.

Das alles setzt voraus, dass jeder Verwaltungsbezirk über die durch Steuerabgaben seiner Bürger eingebrachten, öffentlichen Mittel selbst verfügen darf. Das bezieht alle steuerfähigen Erträge der Bevölkerung sowie der im Verwaltungsbezirk ansässigen Unternehmen ein. Eine Abgabe an die Bundesregierung ist nur zu einem zuvor festzulegenden Prozentsatz zulässig.

Dazu könnte beispielsweise der Solidaritätszuschlag durch einen Bundesbeitrag ersetzt werden, welcher künftig dazu dient, gesamtdeutsche Ausgaben zu bedienen. Dieser Beitrag sollte 25% der gesamten, steuerfähigen Geldmenge nicht überschreiten. Dabei sollen Bund und Kommunen gleichermaßen offenlegen, wozu einzelne Mittel verwendet wurden und verwendet werden sollen. Einzelne „Finanztöpfe“ dürfen nicht gegenseitig deckungsfähig sein es sei denn dies wurde im Zuge einer Ausnahmeregelung zuvor so bekannt gegeben.

Ausnahmeregelungen in dem Bereich sind aber nur zulässig, sofern zwei oder mehrere Verwendungsbereiche sich überschneiden. So könnte ein Projekt zur Straßenreperatur deckungsfähig mit der Sanierung eines an der Baustelle grenzenden Parkgebietes sein. Das gilt auch dann, wenn sich die Objekte in benachbarten Verwaltungszonen befinden. So können benachbarte Gebiete gemeinsame Projekte finanzieren, die von beiderseitigem Interesse sind.

Die so erreichte Dezentralisierung des Verwaltungsapparates bringt die einzelnen Regionen Deutschlands jedoch auch in direkte Konkurrenz zueinander, ermöglicht so aber einen Wettbewerb auf Landesebene der letztlich zum Vorteil der Bürger gereichen soll. Dies geht einher mit wirtschaftlichem Aufschwung sowie einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen, da die Steuermittel durch Vergabe von Aufträgen an Projekte der realen Wirtschaft effizient wieder in die Gesellschaft zurückfließen können.

Eine Beteiligung an Finanzprojekten im Sinne von Aktien, Rohstoff- oder Devisenhandel ist mit öffentlichen Mitteln nicht zulässig. Davon ausgenommen sei die Erzeugung von Rohstoffen im eigenen Verwaltungsbezirk zum öffentlichen Wohl wie beispielsweise der Förderung lokaler Selbstversorgungsprogramme durch nachhaltige Vieh- und Pflanzenzucht.

Dazu gehören aber auch Aufbau und Förderung von Projekten der allgemeinen Grundversorgung. Bundesweit soll sicher gestellt werden, dass allgemeine Güter und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs zu akzeptablen Preisen und in stets gleichbleibend guter Qualität zur Verfügung gestellt werden. Dazu gehören Wasserversorgung, Müllentsorgung, Polizei, Feuerwehr, Gesundheitssystem, Internet-Anbindung, Stromversorgung, Straßenreinigung, öffentliche Verkehrsmittel sowie Fürsorge zusammengefasst unter dem Begriff „Grundversorgung“.

Die Grundversorgung kann überregional durch Kooperation der einzelnen Verwaltungszonen und der Bundesverwaltung realisiert werden wobei letztlich jeder europäische Bündnis-Staat eine eigene Grundversorgung zu gewährleisten hat. Die Qualität dieser Leistung muss einem gemeinsamen Standard entsprechen, welcher nicht durch ausländische Interessen beeinflusst werden darf. Für Ausnahmesituationen soll zudem ein europäisches Hilfsnetz eingerichtet werden. Dieses sieht vor, dass alle Dienste der Grundversorgung temporär auch überregional geteilt werden können wobei jedes Mitglied dafür Sorge zu tragen hat, dass die lokalen Dienste schnellstmöglich wieder aufgebaut werden, sollten diese durch eine Katastrophe gestört sein.

Dafür ist jedes Mitglied dazu angehalten, stets eine Reserve von 10% über dem eigenen Bedarf zu halten.

Vielleicht fällt mir dazu ja später noch mehr ein – Ideen für ein neues Deutschland gibt es wie Sand am Meer. Und vielleicht habt ihr ja auch selber Ideen, wie man unser aller Zusammenleben künftig ein wenig schöner machen könnte.

Ich freue mich bereits auf die Diskussion – Lasst uns unsere Zukunft doch einfach mal selber spinnen.

2 Gedanken zu “Deutschland 2.0 – Die Zukunft liegt vor der Haustür

  1. Teerstraßen wären einfacher zu Reparieren wenn man den Asphaltauffrischer aus der USA nutzen würde

    dieser fräst in einen Arbeitsgang den Aspalt ab, erhitzt und verflüssig den Teer wieder und legt den neuen Aspaltmix wieder neu aus.

    das kostet nur rund ein Zentel von dem was normal das Abfräsen und auftragen einer neuen Asphaltschicht aus dem Werk.

    Da fragt man sich aber, warum das Verkehrsamt das nicht zulässt. Angeblich wäre der Asphalt nicht so hochwertig wie neuer und nicht den Standards genügen würde. Das diese Huckelisten sicherer sein sollen wage ich aber zu bezweifeln.

  2. Das wäre eine günstige Alternative. Langfristig könnten uns intelligente Straßen aber auch eine Menge Geld sparen und vermutlich sogar Leben retten.

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