Fracking – Chance und Gefahr

FrackingGäbe es nicht die guten Nachrichten um den Genesungsfortschritt von Formel 1 Superstar Michael Schuhmacher sowie die allgegenwärtige Fußball-Weltmeisterschaft, so würden wir bereits schnellen Schrittes in das jährliche Sommerloch driften. Doch die Kombination all dieser Faktoren macht den Sommer dieses Jahr besonders gefährlich für die Republik.

Warum? Genau zum Sommerloch oder bei Großveranstaltungen ist die traditionelle Zeit für allerhand Entscheidungen gekommen, welche die Lobbies… ich meine die Politiker noch kurz vor der Sommerpause in Form von neuen Gesetzen an den durch Medienhypes ausgelösten Reizüberflutungen geblendeten Bürgern vorbeilotsen.

Den traurigen Höhepunkt dürfte dieses Jahr die geplante, gesetzliche Regelung für den Einsatz von Fracking in Deutschland bilden. Aber ich will ehrlich sein:

Selbstverständlich sehe ich auch die Vorteile vom Fracking und möchte nicht immer alles einfach nur schlecht machen. Daher werde ich in diesem Beitrag natürlich auch auf die Vorteile von Fracking eingehen. Allerdings sehe ich Fracking nach wie vor mehr als Gefahr denn als Chance für die Menschheit. Doch zunächst möchte ich kurz darauf eingehen, was Fracking überhaupt ist und werde dann die Vor- und Nachteile aufzeigen.

Für Diejenigen unter euch, die sich im Anschluß daran den Versuch unternehmen möchte, etwas gegen Fracking zu tun, gibt es am Ende des Artikels noch ein paar weiterführende Links.

Unter anderem findet ihr dort die Möglichkeit, eine Petition zu unterzeichnen. Das ist schnell gemacht und tut nicht weh.

Aber bitte lest den Artikel zunächst und entscheidet dann selbst.

Fracking? Was ist das?

„Hyraulic Fracturing“ oder kurz Fracking ist eine Methode die es ermöglicht, Gas und Öl aus tiefliegenden Gesteinsschichten herauszubrechen. Dabei wird nach ersten Bohrungen ein Cocktail aus Chemikalien unter hohem Druck in die Tiefe gepumpt. Dieser bricht das Gestein auf und soll die Gesteinsebenen neu formen und stabilisieren. Anschließend sind bisher nicht erreichbare Öl- und Gasvorkommen in wirtschaftlich vertretbarem Aufwand förderbar, welche bis dahin in den Gesteinsmassen eingeschlossen waren.

Zunächst wird dazu ein Bohrturm aufgestellt. Nun werden horizontale und vertikale Bohrungen in Tiefen von 1-6km in das Gestein gerissen. Im Anschluß daran wird ein Chemiecocktail durch die Kanäle im Gestein gepresst, dieser reißt den Boden auf. Ein speziell angereicherter Sand innerhalb der Flüssigkeit stabilisiert das Erdreich und hält die entstandenen Risse offen – Öl und Gas können nun durch diese Öffnungen austreten und an die Oberfläche gepumpt werden. Je nach Größe des Vorkommens kann eine Quelle dann zwischen 20 und 30 Jahre lang Rohstoffe fördern.

Welche Chancen gibt es für Europa und Deutschland?

In Zeiten starker Sanktionierung Russlands sowie der Energiewende in Deutschland ist Fracking somit eine Möglichkeit, den Rohstoffbedarf Europas zu decken, selbst dann wenn der Nachschub aus dem Osten zum Erliegen kommt.

Die Argumentation aus Richtung der Industrie ist dabei natürlich stichhaltig und simpel: Fracking ermöglicht Unabhängigkeit von russischem Gas und Öllieferungen aus dem mittleren Osten. Diese Unabhängigkeit ist selbstverständlich von großem Wert in Zeiten zunehmender Destabilisierung dieser Regionen und könnte zugleich zur Folge haben, dass die westliche Allianz ihre militärischen Operationen im Ausland weitestgehend einstellen kann. (Schließlich müssen die Nachschubwege ja nicht mehr beschützt werden) Man könnte sich somit die „humanitären Missionen“ selber aussuchen, was zudem auch wieder Ruhe in die aufgebrachte Bevölkerung der westlichen Staaten bringen würde.

Danach kommt noch ein zweiter, wichtiger Aspekt: Jobs, Jobs, Jobs! Die europäischen Staaten könnten natürlich massiv davon profitieren, dass durch den Aufbau der benötigten Infrastruktur sowie die Förderung von Rohstoffen allgemein und deren Transport und Weiterverarbeitung extrem viele, neue Jobs entstehen würden. In den USA, welche Fracking vermehrt seit dem Jahr 2000 einsetzen sind ganze Städte aus dem Boden gewachsen. Fracking hat einen regelrechten Boom erzeugt.

Der dritte Aspekt betrifft jeden Bürger unmittelbar: Fallende Energiepreise. Insbesondere die deutsche Energiewende und die damit verbundene Abkehr von der Atomkraft hat die Energiepreise in den letzten Jahren immer stärker ansteigen lassen. Ob Heizöl, Gas oder Kraftstoffe für PKW. Lag der Benzinpreis bei Einführung des Euros im Jahr 2001 noch bei durchschnittlich 1,00€ pro Liter Superbenzin, so musste man im Jahr 2011 bereits im Durchschnitt 1,40€ dafür hinlegen. Jetzt – im Sommer 2014 – liegt der Literpreis nach einer kurzen Phase der Erholung bereits zwischen 1,50€ und 1,55€ – Tendenz wieder weiter steigend.

Auch das durch Fracking in den USA erhöhte Angebot an Kraftstoffen kann die zunehmende Destabilisierung in Staaten des mittleren Ostens nicht abfangen. Würde Europa seine Rohstoffversorgung jedoch zu einem großen Teil selber decken können, würden all diese Probleme der Vergangenheit angehören.

Welche Risiken birgt Fracking?

In den USA wird Fracking seit dem Jahr 2000 in großem Stil eingesetzt. Daher gibt es schon einige belegte Fakten über mögliche Komplikationen, die mit dieser, relativ jungen Technologie einhergehen. Kleine Mini-Erdbeben, die Gebäude beschädigen oder gar deren komplette Statik stören können sind dabei nur die Spitze des Eisberges.

In den Videos, welche man zuhauf auf Youtube und anderen Streamingportalen findet, sieht man erschreckende Bilder von brennenden Abflüssen in Küche und Bad, von verseuchtem, ja fast braunem Trinkwasser und man hört von einem Anstieg der Luftverschmutzung sowie der Neuerkrankungen in den betroffenen Gebieten.

Dies alles fasst der Dokumentarfilm „Gasland“ sehr gut zusammen – Bevor man sich also nun auf die Suche im Internet nach solchen Videos macht, sollte man sich zunächst die zwei Stunden nehmen, um sich diesen Film anzuschauen. Die dort gezeigten Fälle sind überprüft worden und zeigen einen guten Überblick über die Vorfälle, die es in Zusammenhang mit Fracking bereits gegeben hat. Ihr findet den Film unten in diesem Beitrag.

Doch auch der aktuelle Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD enthält bereits deutliche Hinweise auf die Gefahren hinter Fracking. So gibt es zum Beispiel eine Passage, welche das „erhebliche Risikopotential“ behandelt und außerdem darauf hinweist, dass die „Entsorgung des Rückflusses des Wasser-Sand-Chemikaliengemisches derzeit nicht verantwortbar ist“.

Sollte das nicht bereits genug sein?

Was hindert denn das Grundwasser daran, sich unterirdisch zu bewegen und ggf. doch mit dem Chemiecocktail in Kontakt zu kommen – Auch wenn in Wasserschutzgebieten keine Förderung stattfindet? Denn die Technologie erzeugt nachweislich (denn so funktioniert sie nun mal) kleine Mini-Erdbeben in dem Moment, wo die Hilfsflüssigkeiten unter extrem hohen Druck in das Erdreich gepresst werden. Schließlich sollen Gesteinsmassen aufgebrochen werden um Risse zu erzeugen – Und das in großer Tiefe. Hier herrscht naturgemäß bereits ein hoher Druck, jeder Bergmann kann das bezeugen. Immerhin liegen bis zu sechs Kilometer dicke Gesteinsplatten oben drauf.

Somit muss also ein Ruck durch das Erdreich gehen – Die daraus resultierenden Folgen durch eventuelle Kettenreaktionen sind nicht überschaubar. Der ausgelöste Impuls könnte sich über große Distanzen hinweg bemerkbar machen und somit dem kontaminierten Wasser Zugang zu vermeintlich sauberem Grundwasser ermöglichen. Auch könnten sich Öl und Gas durch die Risse bis in Wasserschutzgebiete ausbreiten.

Ist einmal unser Wasser verseucht, so könnte eine weitaus größere Abhängigkeit von externen Lieferungen entstehen, als derzeit auf dem Resourcenmarkt vorhanden. Vom Schaden, den unser Ökosystem – von dem wir nun einmal als Teil dieses Planeten abhängig sind – wollen wir hier gar nicht erst sprechen.

Beim Fracking wird übrigens in erster Linie Methangas gefördert. Dieses ist allgemein als Klimakiller bekannt. Davon abgesehen gibt es beim Fracking das Problem, dass ca. 3% des geförderten Gases wieder entweichen.

Last but not least: Bei jedem „Fracking-Vorgang“ wird in etwa die Menge Trinkwasser verschwendet, mit der man ca. 60.000 Menschen versorgen könnte. Und auch, wenn die einzelnen Quellen insgesamt ergiebig scheinen, so muss für eine vollständige Ausbeutung eines jeden Vorkommens sehr oft „gefrackt“ werden. Dabei werden Millionen Liter Trinkwasser unwiderruflich verseucht und verschwendet. Die Verseuchung ist sogar so stark, dass es keine Kläranlage auf der Welt gibt, die dieses Wasser wieder reinigen könnte.

Man sollte immer im Hinterkopf behalten: Die Erde kann auf den Menschen verzichten – Der Mensch aber nicht auf die Erde.

Wie ist der aktuelle Stand?

Die deutsche Bundesregierung plant noch vor der Sommerpause einen Entwurf für das Fracking-Gesetz vorzulegen – Dieser soll noch in diesem Jahr ratifiziert werden. Hier sind zwar „strenge“ Auflagen vorgesehen, wie etwa das Verbot von Fracking in Wasserschutzgebieten sowie eine sogenannte „Umweltverträglichkeitsprüfung“, doch was immer letztere auch aussehen soll – Zum Ausschluß kommen dadurch nur etwa 14% des Bundesgebietes.

Es finden bereits jetzt in mehreren Bundesländern Probebohrungen statt. Konzerne aus den USA und Kanada stehen bereits in den Startlöchern – Im Zuge des geplanten CETA-Handelsabkommens könnte eine großangelegte Ansiedlung nordamerikanischer Konzerne in der EU stattfinden.

Was kann man tun?

Wenn ihr etwas gegen Fracking unternehmen oder euch weiter über das Thema informieren wollt, so helfen euch die nachfolgenden Links eventuell weiter:

Allgemeiner Artikel über Fracking: Hyraulic Fracturing | Wikipedia

Online-Petition: Korbacher Resolution der Bürgerinitiativen gegen Fracking | OpenPedition

Informationen zum Bergrecht und der geplanten Regulierungen: Novellierung des Bergrechts | Netzfrauen

Deutschland folgt Amerika: Bundesregierung erlaubt Fracking | Deutsche Wirtschafts Nachrichten

CETA Handelsabkommen: Comprehensive Economic and Trade Agreement | Wikipedia

Gasland: Ein Dokufilm für das Fracking in den USA:

Bildnachweis:
Schiefergasbohrung in der Pinedale-Antiklinale im US-Bundesstaat Wyoming, im Hintergrund die Rocky Mountains.
Quelle: Wikipedia
Lizenz: Public Domain

2 Gedanken zu “Fracking – Chance und Gefahr

  1. Der Energieriese Exxon betont unablässig Fracking sei völlig ungefährlich – und verdient damit Milliarden. Doch ausgerechnet Konzernchef Rex Tillerson protestiert gegen ein Fracking-Projekt nahe seiner Pferderanch in Texas. Er weiß, warum. (von Chris Methmann, Campaigner)

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