Good Bye Immerath

Good Bye Immerath

Immerath - Image Copyright Google Maps
Immerath – Image Copyright Google Maps

Vor ein paar Tagen war es noch in den Nachrichten: Die kleine Stadt Immerath in der Eifel, welche in Ihrer Hochzeit 1500 Einwohner hatte existiert nicht mehr. Ebenso wie rund 20 Dörfer in der direkten Umgebung.

Der Grund ist ein uraltes, bis auf das 12. Jahrhundert zurückgehendes Gesetz, welches es heutzutage Firmen und Genossenschaften ermöglicht, für Profit und Resourcen Einwohner von ihrem Land zu vertreiben: Dem Bergrecht.

Somit wurden die Einwohner umgesiedelt, damit die RWE-Power AG in diesem wunderschönen Stück Land & Natur nach Braunkohle schürfen darf. Das Paradoxe daran ist, dass die RWE-Power AG zeitgleich mit einem Aus für den Kohletagebau droht – Grund sind fallende Strompreise bedingt durch das große Angebot an Ökostrom auf dem Markt.

Wurden also hunderte Bürger unnötig zwangs-umgesiedelt? Und wieso ist so etwas heutzutage in einem modernen Europa und insbesondere in Deutschland noch möglich? Zwar hat man den Bürgern ein modernes, neues Städchen mit Namen „Neu Immerath“ gegeben, ich finde es aber immer noch ernüchternd und erschreckend zugleich, wie schnell ein Heim, welches man sich in Generationenarbeit erschaffen hat mit einem Wimpernschlag ausgelöscht sein kann – Alles im Namen des Profits.

Ein Profit, bei dem es um Kohle geht – Jener fossile Energieträger des letzten Jahrhunderts, der sich im Ruhrgebiet zu riesigen, künstlich bepflanzten Bergen auftürmt – Weil keiner mehr so richtig weiß, wohin damit. Und das in Zeiten der grünen Revolution. In Zeiten, in denen der Verbraucher immer mehr für den Strom zahlen muss, weil er billiger wird…

Das übrigens klingt im ersten Moment zwar paradox, ist aber durchaus nachvollziehbar. Die Ursache hier ist einfach erklärt. Die EEG-Umlage (und somit die Stromkosten) steigt deshalb, weil unsere Ökostrom-Anlagen bisher wenig rentabel sind – Die Kosten um eine Menge X an Energie zu erzeugen liegen deutlich über denen, die bei einem Kern- oder Ölkraftwerk anfallen. Damit die Energiewende jedoch finanzierbar wird, wird der Strom von den Kraftwerken zu einem fixen Preis abgenommen. Dieser liegt meist deutlich höher als der Preis, welcher an der Strombörse gehandelt wird. Die Differenz zwischen dem eigentlichen Handspreis und den Erzeugungskosten in den Ökostrom-Kraftwerken wird durch die EEG-Umlage bedient. Je größer also die Differenz hier ist (also je günstiger der aktuelle Strompreis ausfällt), desto mehr Mittel müssen aus dem EEG-Topf bereit gestellt werden. Für den Verbraucher wird der Strom also um so teurer, je günstiger er an der Energiebörse gehandelt wird. Aber das nur am Rande.

Zurück zum eigentlichen Thema: Was ich sagen wollte ist, dass die Welt immer verrückter und profitgieriger wird  und über 20 Dörfer in Deutschland mussten aus unsinnigen Grünnen geräumt werden mussten. Das ist natürlich nun keine Neuigkeit aber bisher kannten wir solche Nachrichten eher von TV-Berichten aus dem fernen Osten und daher ist es schon unheimlich, wenn soetwas im eigenen Vorgarten passiert.

Warum mich das als Bürger der Ruhrmetropole nun so trifft hat allerdings nicht nur etwas damit zu tun, dass mich diese Ungerechtigkeit bereits prinzipiell abstösst. Darüber hinaus habe ich mit meiner Familie vor einigen Jahren eine Ferienwohnung in Immerath bewohnt. Dadurch habe ich eine (wenn auch inzwischen leicht verblasste) Bindung zu dem Ort und der wunderschönen, unberührten Landschaft dort.

Leider wird das einzige, was davon bleibt die Erinnerung und ein kleiner Stapel Fotos sein. Und mit diesen Worten ein letztes Mal:
Good Bye Immerath

1 Gedanke zu “Good Bye Immerath

  1. naja 3x darfst raten wer sich mit der EEG Umlage den Wanst füllt …. wieder mal die die schon mehr als genug haben …. dafür aber Windparks aufm Meer bauen und keine Stromkabel hinlegen bzw „vergessen“, aber die garantierten Abnahmemengen trotzdem bekommen und dazu noch entschädigt werden, das die die Windräder mit Dieselgeneratoren betreiben, damit die sich nicht kaputt stehen. Gleichzeitig müssen „energieintensive“ Firmen keinen Cent bezahlen … wobei ich nicht weiß, ob ein Schlachthof ein energieintesives Unternehmen ist (wobei wenn ein Politiker da seine Finger bei hat, isses eines, denn irgendwie muss man ja diesen Heißluftgenerator betreiben)

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