Lasst uns Krieg spielen

Soldat | Quelle: Pixabay.com | Lizenz: CC0 / GemeinfreiJa, es ist wieder so weit – Es ist amtlich! Die ganze Welt ist im Krieg! Die ganze Welt?

Nein! Ein kleines Land…. OK, lassen wir das.

Genervt und gelangweilt klicke ich mich durch Nachrichtenportale, scrolle Facebook-Gruppen durch und lese überall nur davon, dass man jetzt Hamsterkäufe tätigen und sich auf das Schlimmste vorbereiten soll. Weiter gehen da diese sogenannten „freien, unabhängigen Nachrichtenseiten“ – Allesamt Infokrieger von zweifelhafter Qualität.

Überall finde ich Panikmache. Wer profitiert eigentlich davon?

So schreibt „anonymousnews.ru“ in einem Beitrag, dass das europäische Umland sich auf den Ernstfall vorbereite – Aber Deutschland schläft. Die Zeichen seien eindeutig – Sei es Terrorismus, der Klimawandel, Kriegsgefahr, der Russe (oh ja, der böse Russe ist immer gern zur Stelle!), der Kollaps des globalen Finanzsystems oder was auch immer. Unterstrichen wird sowas dann durch verdrehte Wahrheiten:

Anfang August teilte uns zudem ein Informant mit, dass Nordrhein-Westfalen massiv seinen Vorrat an Jodtabletten (mit Kaliumjodid) aufgestockt hat. Das Land hat 21 Millionen Tabletten bestellt, welche bereits im Herbst dieses Jahres ausgeliefert werden sollen. Die Richtigkeit dieser Informationen wurde inzwischen durch eine Meldung des Südwestrundfunks (SWR) bestätigt.

Ja, was soll man dazu sagen? Das hier vielleicht? Von Kernkraft, Jodtabletten und der ständigen Angst Das war übrigens im Mai (!)

Wer war dieser Informant? N24? nTV? Die WAZ? ARD? Lächerlich! Und NRW tut das um vorzusorgen, sollte uns einer der maroden Kernreaktoren in der Nachbarschaft um die Ohren fliegen. Die gehamsterten Vorräte wären dann übrigens verstrahlt….

Ausgelöst hatte dies eine Empfehlung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, die 2012 von der Bundesregierung als Novelle der zuletzt 1995 angepassten Katastrophen-Notpläne in Auftrag gegeben wurde. Die Nachrichtenagenturen haben das übernommen und in den Medien breit getreten. Und ZACK – Schon werden Propangasflaschen und Ausrüstung vom Campingplatz geholt und in die heimischen Keller gestopft. Und Gnade dem, der jetzt noch im Laden eine Dose Erbsen für sein Kotelett kaufen mag.

Und das obwohl diese Empfehlungen immer schon bestanden und jetzt nur „modernisiert“ wurden. Es hat sich an der Lage auf der Welt nichts geändert. Dennoch sehen manche Leute um jede Ecke Verschwörungen und die Anzeichen für einen Untergang der Welt sind wirklich überall! Überall!! Nein, wirklich – Wenn man möchte, kann man sich alles einbilden.

Die Welt ist genau so chaotisch wie sie es schon immer war. Man sieht es dank moderner Medien und sozialen Netzwerken nur viel deutlicher. Und das ist eigentlich auch gut so – Damit man etwas dagegen tun kann. Und es passiert auch etwas dagegen. Erst neulich sendete Kolumbien ein deutliches Signal an die ganze Welt als ein Friedensvertrag den seit gut 50 Jahren andauernden als unlösbaren Konflikt betrachteten Bürgerkrieg beendete. Wenn das da geklappt hat, klappt es überall. Wenn man nur will. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Um darauf zurück zu kommen – Sobald die Medien einen solchen Beitrag bringen, reiben sich die amtlichen Verschwörungswebsites – ääh ich meine freien Informationsportale – sofort die Hände. Wenn die Bilderberger gerade in der Sommerpause sind, sind solche Meldungen immer sehr begehrt. Denn jetzt kann die Panik-Maschinerie anlaufen und die Prepper-Shops feiern Rekordumsätze. Die Waffendealer natürlich auch – Man fordert selbstverständlich umgehend eine Lockerung des Waffengesetzes. Schließlich will man sich selbst verteidigen können.

Genau, das ist eine wunderbare Idee. Damit noch mehr degenerierte Einzeller auf der Straße rumballern können. Freiheit! Ratatata! Oh, das war Oma’s Katze. Egal, sie hat ja drei. Wo sind die eigentlich? *Durchlad*

Auch die Umsätze bei den Bücherhändlern schnellen in die Höhe. Besonders in den Onlineshops. Auf den Webseiten der freien Informationsportale. Handbücher zum Überleben. Ehm ja – Merkst Du was? Da kommt langsam eine gewisse Regelmäßigkeit rein. Dann die Outdoor & Camping Industrie – Deren Werbung auch oftmals auf oben erwähnten Portalen vor sich hin flimmert. Schließlich braucht jeder ein Kochgestell und Propangasflaschen, Jobtabletten, Eiweißpulver usw. Die Preppershops boomen und ein Herr B. kann sich einen Jeep leisten, der so viel Sprit frisst wie ein kleines Ölkraftwerk.

Mal ganz ehrlich – Wenn hier wirklich ein Krieg ausbricht: Bleibt ihr dann alle bei euch im Keller sitzen, knabbert an euren Proteinriegeln und wartet, bis die Vorräte aus gehen? Ich würde mir eher einen Rucksack mit dem Nötigsten packen und dann in entgegengesetzter Richtung flüchten. Da helfen dann auch keine 1000 Liter Wasser und 6 Tonnen Konserven im Keller. Es ist aber unwahrscheinlich, dass es dazu kommt. Denn nochmal: Es hat sich an der Sicherheitslage in Europa überhaupt nichts geändert.

Selbst zu den Hochzeiten des kalten Krieges haben die meisten Leute keine Großvorräte angelegt.

Und in 50 Jahren – wenn ich in meinem Schaukelstuhl sitze und alten Tobi dampfe – werden sich einige Leute fragen, warum sie ihr ganzes Leben nur in Angst verbracht haben.

Wie sagte Lee Camp einst:

99% von uns sind gute Menschen, die andere respektieren und sich Frieden wünschen. Die anderen 1% beherrschen uns und sagen, dass wir uns im Krieg befinden.

Oder von Leroy Jethro Gibbs:

Regel Nummer 67: Lasse Dich nicht auf Tratsch ein.

Danke, ich habe fertig 🙂

2 Gedanken zu “Lasst uns Krieg spielen

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