Modulare Tiefensicht

Foto: Zach Klein, „Crown Fountains“, CC-Lizenz (BY 2.0) http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de Das Bild stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.deBildschirme sind in unserer modernen Welt allgegenwärtig. Seit die digitale Revolution in den späten 80ern den Massenmarkt erreichte, verbringen wir immer mehr Zeit vor den flackernden Bildschirmen und dieser Anteil nimmt mit jedem Jahr stärker zu.

Zunächst waren es einfache Telespiele, denen man sich eventuell ein paar Stunden in der Woche hingab, dazu vielleicht noch das abendliche Fernsehprogramm. Aber spätestens seit dem Beginn des Siegeszuges diverser Smartphones schauen viele Personen fast unentwegt auf die verschiedensten Displays.

Doch seit Kurzem reift in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein dafür heran, dass genau dies auch zu Problemen führen kann – Insbesondere für die Gesundheit der Menschen. Neben der offensichtlichen Gefahr durch Unachtsamkeit im Straßenverkehr gibt es auch bereits zahlreiche Studien die belegen, dass das menschliche Auge signifikanten Schaden durch die dauerhafte Betrachtung von Bildschirmen davon tragen kann.

Besonders betroffen davon scheint die sogenannte „Generation Y“ zu sein zu der ich mich selber auch zählen kann. Zur Erklärung: Es handelt sich dabei um Menschen, die zwischen den Jahren 1977 und 1998 geboren wurden. Während „unserer“ Jugend kam es zu dem Technik Boom, der alle modernen Geräte hervorgebracht hat, die wir heute kennen. Ein Zitat dazu aus der deutschen Wikipedia:

Die Generation Y gilt als vergleichsweise gut ausgebildet, oft mit Fachhochschul- oder Universitätsabschluss. Sie zeichnet sich durch eine technologieaffine Lebensweise aus, da es sich um die erste Generation handelt, die größtenteils in einem Umfeld von Internet und mobiler Kommunikation aufgewachsen ist. Sie arbeitet lieber in virtuellen Teams als in tiefen Hierarchien. Anstelle von Status und Prestige rücken die Freude an der Arbeit sowie die Sinnsuche ins Zentrum.

Wir sind also Technikliebhaber – Aber wir sind die Bildschirme nicht von Geburt an gewohnt. Unsere Augen sind also einem höheren Risiko ausgesetzt, durch die intensive Bildschirmnutzung beschädigt zu werden.

Doch warum erkranken die Augen dadurch? Und gibt es Möglichkeiten, dies zu verhindern und die Augen vielleicht sogar durch Bildschirme zu trainieren? Ich sage: Ja. Und eine Idee dazu habe ich auch schon.

Zunächst einmal müssen wir verstehen, was da mit uns passiert, wenn wir so viel vor den Displays sitzen.  Evolutionstechnisch sind wir an und für sich Jäger und Sammler. Unsere Augen sind darauf ausgelegt, Objekte in größerer Entfernung erkennen zu können, kleine Bewegungen und Geschwindigkeiten präzise abschätzen zu können um letztlich zu ermöglichen, im offenen Gelände sicher und erfolgreich bestehen zu können.

Auch mit der wachsenden Urbanisierung hat sich grundsätzlich nichts daran geändert. Selbst in den Städten benötigen wir unsere Tiefensicht und trotz der Einschränkungen durch herumstehende Gebäude haben unsere Augen immer genug Platz gehabt um dies zu trainieren.

Wenn wir nun jedoch die ganze Zeit auf Bildschirme starren, so konzentrieren sich die Augen nur noch darauf, das wahrzunehmen, was unmittelbar vor unserer Nase liegt. Da die Bildschirme den Inhalt flach darstellen und das in relativ kurzer Entfernung zum Betrachter entfällt – oftmals über den Großteil des Tages – jedwedes Training der Tiefensicht.

Die Folge sind Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, unscharfe Wahrnehmung entfernterer Objekte, Schwierigkeiten bei der Fixierung entfernter Objekte, eingeschränktes, räumliches Sehen bis hin zur dauerhaften Schädigung des Sehnerves. Der erste Ansatz wäre hier natürlich: Nicht so oft und lange auf Bildschirme schauen.

Doch in vielen Lebensbereichen und auch im Beruf sind Bildschirme einfach nicht mehr wegzudenken. Man kann nicht einfach stundenlang aus dem Fenster schauen. Also muss eine technische Lösung her – Wir brauchen eine neue Art Bildschirm.

Foto: Andrew Magill, „Transparent screen 4“, CC-Lizenz (BY 2.0) http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de Das Bild stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.deKurz gesagt: Die Bildschirme der Zukunft müssen dem Betrachter nicht nur ein möglichst ruhiges und realistisches Bild liefern, dieses Bild muss darüber hinaus auch mit einer künstlichen Tiefen-Darstellung ausgestattet sein. Ich nenne diese Idee „modulare Tiefensicht“ und habe dazu zwei verschiedene Lösungsansätze.

In der ersten Variante könnten innerhalb des Anzeigegerätes mehrere transparente Displays hintereinander angebracht werden. Jedes dieser Displays stellt nur einen Teil des darzustellenden Bildes dar und zwar relativ gesehen von der Position des anzuzeigenden Objektes im dreidimensionalen Raum. Nehmen wir als Beispiel einen rechteckigen Raum mit einem Tisch in der Mitte und einer Stehlampe in einer der Ecken, dargestellt auf einem Bildschirm mit 20 integrierten Display-Teilen. Der Tisch wäre in diesem Fall auf den mittleren Displays dargestellt während die Lampe auf den hinteren Displays dargestellt wird und ihr Licht dynamisch nun durch die anderen Bildschirmbereiche werfen kann. So kann gleichzeitig eine extrem dynamische Beleuchtung von Objekten in Videospielen erreicht werden.

Der Vorteil hier: Durch die kombinierten Displays wäre ein sehr tiefes und realistisches Bild. Und den Augen des Betrachters würde an dieser Stelle vorgegaukelt, er würde aus einem Fenster schauen und nicht auf einen Bildschirm. Durch gezielte Platzierung der Objekte kann auf diese Weise sogar die Tiefenwahrnehmung geschärft werden. Einen Nachteil gibt es aber auch: Wir benötigen natürlich mehr Rechenleistung, die von den Grafikkarten erbracht werden muss.

Die zweite Variante würde sich für extrem große Bildschirme wie zum Beispiel in Kinosälen anbieten. Hier werden nicht einzelne Displays hintereinander geschaltet, die Technik ist aber ähnlich. Statt den Bildschirmen werden hier nun Folien hintereinander gelegt. Diese Folien werden dann aber nicht direkt durch LED’s mit Bilddaten versorgt sondern durch seitlich angebrachte Projektoren. Hiermit könnte man komplette, dreidimensionale Szenarien darstellen ähnlich einer holografischen Darstellung. Die dafür benötigte Rechenleistung dürfte nicht viel größer sein als die herkömmlicher 3D-Bildschirme. Allerdings müssten die Projektoren ein sehr starkes, kräftiges Bilder erzeugen – Das verbraucht dann etwas mehr Strom.

In beiden Fällen hätten wir dann aber ergonomische Bildschirme, die das Auge des Betrachters nicht nur schonen sondern auch trainieren können. Das sind zwei meiner Ideen dazu – Was haltet ihr davon? Schreibt’s mir einfach in die Kommentarfunktion.

Schreibe einen Kommentar