Recht auf Leben – Recht auf Geld

Pleite?... da hilft nur ein Blick in die SparflascheIn der Schweiz gibt es bald eine Volks-Abstimmung über das sogenannte „Bedingungslose Grundeinkommen“. Sollte diese erfolgreich sein, so dürfen sich Schweizer Bürger künftig über ca. 2000€ im Monat freuen – Einfach so.

Man bekommt also Geld dafür, dass man lebt – Ohne Bedingungen.

Das ist genau so revolutionär wie seinerzeit die Ansicht, dass die Erde nicht im Mittelpunkt des Universums stehe.

Welche Risiken das birgt, liegt auf der Hand: Die Leute sitzen alle nur noch faul Zuhause rum, keiner geht mehr Arbeiten und außerdem ist das Ganze überhaupt nicht finanzierbar und bringt die sowieso schon klammen Staatskassen zum endgültigen Kollaps.

Oder vielleicht doch nicht?

Wollen wir diesen Gedanken doch einmal durchspielen: Schlechtmaler gibt es natürlich nicht zu wenige. Aber was würde denn passieren, wenn die positiven Effekte überwiegen?

Ganz allgemein kann ein bedingungsloses Grundeinkommen keine schlechte Idee sein, denn in unserer Gesellschaft hat schließlich jeder Mensch ein Recht auf Leben. Dazu gehört inzwischen nicht mehr nur das nackte Überleben – auch eine aktive Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen und sozialen Interaktionen welche eine gewisse, finanzielle Liquidität erfordern. Sind diese Faktoren nicht gewährleistet, werden die Menschen krank.

Nachweislich ist beispielsweise für sogenannte „Hartz4-Familien“ die Gefahr wesentlich größer, an psychischen Leiden zu erkranken, welche sich oftmals nur schwer wieder heilen lassen. Auch hat der letzte Armutsbericht offengelegt, dass Personengruppen mit geringem Einkommen durch finanziell bedingte Fehl-Ernährung und mangelnde Aktivitätsmöglichkeiten häufiger an vermeidbaren, körperlichen Beschwerden erkranken als beispielsweise die Mittel- oder Oberschicht.

Dass eine Teilnahme am öffentlichen Leben folglich unverzichtbar ist, hat der deutsche Staat bereits erkannt indem er das Bildungspaket für einkommensschwache Familien eingeführt hat. Das bedingungslose Grundeinkommen ist also nur eine logische Konsequenz aus diesem Gedanken.

Finanzierbar – Ja oder nein?

In den USA hat ein Wirtschafts-Professor eine Aufstellung aller Kosten aus den US-Sozialprogrammen angefertigt. Es gibt dort über 500 diverse Sozialprogramme, dahinter steht ein gewaltiger Verwaltungsapparat. Würde man all diese Projekte einstampfen, so wären die Ausgaben für ein einheitliches, bedingungsloses Grundeinkommen bereits zu über 80% gedeckt.

Ähnlich verhält es sich in Deutschland – Arbeitslosengeld 1, Arbeitslosengeld 2, Sozialhilfe, 1 Euro Jobs, Arbeitsagentur, Jobcenter und und und… Abertausende Mitarbeiter im bürokratischen System, Stromverbrauch, Wasserverbrauch, Papier, Toner, Infrastruktur, Hardware… Das alleine verschlingt Millionen Euros jedes Jahr. Wenn man dies mit einer etwas erhöhten, einheitlichen Mehrwertsteuer koppeln würde, so wäre der Bedarf an Mitteln wohl bereits gedeckt.

Wer würde denn dann noch arbeiten gehen?

Natürlich gibt es „schwarze Schafe“, die einfach keine Lust zu arbeiten haben. Doch diese gibt es jetzt bereits und die sind im Hartz4-Sumpf gefangen. Es handelt sich dabei aber größtenteils um Probleme in Beratung und Förderung, die es grundsätzlich in unserem Sozialsystem gibt.

Grundsätzlich bremsen wir unsere technologische Entwicklung aktuell entscheidend aus. Denn viele Aufgaben welche aktuell noch von Menschen durchgeführt werden, können durchaus von Maschinen erledigt werden. Entweder werden diese Maschinen nicht eingesetzt um Arbeitsplätze zur erhalten oder aber man gliedert diese Arbeitsplätze in Billiglohnländer aus. Ein wirklicher Vorteil für die Menschen im Westen entsteht dadurch also nicht. Dazu kommt, dass viele dieser Arbeitsplätze den Menschen eher schaden, da sie enorm auf Kosten der Gesundheit gehen. (Stichpunkt: Den Buckel krumm schuften)

Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen könnte man diese Arbeitsplätze problemlos mit Maschinen besetzen.

Der Großteil der Menschen würde jedoch weiterhin nach einer Beschäftigung suchen – Es würde sich nur das Verhältnis dazu ändern. Ein Arbeitsplatz, den man freiwillig besetzt ohne dass man ständig Existenzängste im Hintergrund hat, dürfte wesentlich produktiver ausfallen – Selbst bei einer geringeren Entlohnung. Die Arbeitgeber könnten zusätzlich entlastet werden, da die Lohnkosten sinken könnten.

Gleichzeitig müssten Arbeitgeber dafür Sorge tragen, dass ihre Arbeitsplätze attraktiv sind. Die Situation würde sich wieder um 180° drehen – So etwa wie zu Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders in dem die Arbeitnehmer sich die Stellen quasi aussuchen konnten.

Wenn man sich darüber hinaus keine finanziellen Sorgen mehr machen muss, steigert sich die Kreativität der Menschlichen ins Unermessliche. Es würden neue, kreative und gesellschaftlich sinnvolle Beschäftigungen entstehen, an welche wir heutzutage nicht einmal denken –  Forschung und Entwicklung würden rasant beschleunigt. Außerdem würde die Verbrechensrate im Land deutlich sinken. Wozu muss man schließlich noch einen anderen, armen Schlucker überfallen wenn es keine armen Schlucker mehr gibt?

Auch ehrenamtliche Tätigkeiten würden wieder groß herauskommen, Denn, wer etwas tut, was er gar nicht muss – Der erntet gesellschaftliche Anerkennung.

Ein weiterer Vorteil wäre die Neubildung der familiären Strukturen im Land. Wer heute ein Kind hat, der weiß genau was es heisst, zwischen zwei Welten zu leben. Oftmals müssen beide Elternteile arbeiten gehen um das Familienleben stabil zu gestalten. Kinder werden daher schon oft sehr früh in Kindertagesstätten geschickt. Aber das ist doch nicht der Sinn der Sache – Fremderziehung.

Meines Erachtens nach müssen Kinder in ihren ersten drei Jahren im Elternhaus aufwachsen, so wie es früher schon gewesen ist. Das stärkt die Bindungen innerhalb der Familie und auch die sozialen Kompetenzen der Kinder selbst.

Ein weiterer, wichtiger Punkt ist die soziale Kluft zwischen arm und reich. Diese könnte man durch ein bedingungsloses Grundeinkommen wieder deutlich verkleinern.

Zu guter Letzt sind 2000 Euro eine tolle Sache und reichen für einen Urlaub, eine schöne Wohnung und ein Auto – Die Leute hätten aber plötzlich wesentlich höhere Ansprüche, die es ebenfalls zu finanzieren gilt. Arbeitgeber könnten also nicht nur mit Geld bezahlen. Wer sich ein besonderes Auto wünscht, könnte dafür doch zum Beispiel ein Jahr bei einem Autobauer arbeiten und seine Kreativität dort einbringen. Und wer eine Villa möchte, der muss sich sowieso noch einen Job suchen.

Fazit:

Die Überlegung zu einem bedingungslosen Grundeinkommen ist nicht gerade neu und wurde oftmals schon kontrovers diskutiert. Meines Erachtens nach würden die Vorteile deutlich überwiegen und zu einem Boom bürgerlicher Aktivität und Kreativität im Land führen. Gesetzliche Restriktionen zum Schutze des Systems vor unkontrollierter Ausbeutung durch kriminelle Elemente müssen natürlich installiert werden, doch prinzipiell könnte jeder Staat nachziehen, sobald ein Erfolg des Experimentes absehbar wird.

Finanzierbar wird das System durch das Schmälern des Verwaltungsapparates sowie geringfügig angepasste, einheitliche Steuersätze.

So könnte jeder Bürger sein Recht auf Leben in unserer Gesellschaft vollständig wahrnehmen. Und vielleicht wäre dies sogar ein richtiger Schritt aus Korruption, Gewalt, Neid und Gier bis hin zu einer Gesellschaft ohne Geld – In eine Gesellschaft in welcher unsere Werte wieder echt sind und nicht vom Gelde getrübt.
Beitragsbild:
Ilagam, „Pleite?… da hilft nur ein Blick in die Sparflasche“, CC-Lizenz (BY 2.0)
http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de
Das Bild stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de

 

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