Social Network vs. Messenger – Sterben die klassischen Dienste aus?

Keyboard pan | stockphotosforfree.com | Lizenz: GemeinfreiEs war das Jahr 2000 als der Siegeszug des Internets seinen vorläufigen Höhepunkt nahm. Das neue Jahrtausend war angebrochen und mit ihm begann die Kommunikation neue Wege zu gehen.

Man unterhielt sich mit Messenger Systemen wie ICQ, AIM, MSN, Yahoo Instant Messenger und noch so einigen anderen. Man traf sich virtuell in Foren und schrieb spannende Beiträge, unterhaltsame Diskussionsrunden entstanden und lokale Nischen-Websites hatten regen Zulauf.

Es war einfach, neue Projekte aus dem Boden zu stampfen und der Kreativität im Internet waren praktisch keine Grenzen gesetzt. Mit Geocities und Co kamen dann die ersten sozialen Netzwerke – Da konnte man Mitglied sein, musste es aber nicht. Es gab niemals einen Hype darum und diese Dienste sahen sich eher als Ergänzung zu den Communities und Messengerdiensten. Einen Schritt weiter ging dann schon mySpace – Doch auch wenn es – neben dem Schüler- und StudiVZ in Deutschland – das erfolgreichste, soziale Netzwerk war: Stets traf man sich noch in Foren und Messengern.

Doch dann kam Facebook. Damit änderte sich alles. Mitte der 2000er Jahre noch als Randerscheinung verpönt, hat Facebook nun nach eigenen Angaben 1,4 Milliarden User, die mindestens einmal im Monat die Webseite besuchen. Und StudiVZ? Ist weg. Myspace? Zuckt noch vor sich hin. ICQ und Co? Auch nur noch eine Randerscheinung.

Für mich ist das völlig unverständlich. Natürlich bin ich auch bei Facebook. Einfach weil man heutzutage bei Facebook sein MUSS, wenn man etwas promoten oder mit den Leuten in Kontakt bleiben will. Doch es muss nicht so bleiben. Und das tut es scheinbar auch nicht.

Dass längst nicht alles Gold ist, was glänzt, das kommt inzwischen auch in den Köpfen der Benutzer an. Viele junge Menschen meiden inzwischen das große „F“ und besinnen sich auf klassische oder dezentralisierte Netzwerke. Kurznachrichtendienste wie Twitter boomen regelrecht. Und in den Entwicklungsländern taucht ein Programm wieder auf, welches man schon längst auf die Reservebank abgeschoben sah; ICQ.

Der ehemalige Topmessenger ist wieder auf dem Vormarsch. Die Software einfach, der Datenverbrauch gering. Es gibt keine Ortungsdienste, keine massiven Protokollierungen und kein Abtreten aller Rechte an versendeten Daten. Das macht die klassischen Messenger wieder attraktiv. Aus dem Social Media Wunder ist längst eine Datenkrake geworden, die Werbeanzeigen schaltet, massenweise Spiele promoted und allerhand Software bietet, die durch sogenannte Micropayments / InAppKäufe schnell mal zum Groschengrab werden können.

Die Kommunikation in den sozialen Netzwerken ist zudem immer unübersichtlicher. Ein interessanter Beitrag erscheint, die Leute kommentieren diesen. Eine Diskussion entsteht, -die Trolle kommen, dann wird ein paar Stunden nichts mehr geschrieben und schon verschwindet die Unterhaltung. Eine aufwändige Suche in der Gruppe oder Page-Community ist erforderlich, einen Direktlink gibt es nicht. In den Foren gab es früher bessere Suchfunktionen, direkte Links, Indikatoren für beliebte Themen und viel mehr Möglichkeiten für Administratoren und Moderatoren.

Außerdem wurden die Daten auf lokalen Servern gespeichert und in den meisten Fällen reichte ein Hinweis eines Benutzers nur aus um Einträge zu entfernen. Die Admins der Foren haben sich immer große Mühe gegeben, denn jeder konnte sich mit seiner Community identifizieren. Man ist also mit viel Liebe zum Detail und unglaublich vielen Arbeitsstunden an die Projekte heran gegangen. Heutzutage wird in vielen Fällen nicht einmal mehr recherchiert. Man postet blind Beiträge und Links und hofft dadurch an den ein oder anderen „Like“ zu kommen.

Das alles ist schon längst bekannt, ich erzähle euch hier sicher nichts neues – Doch erst jetzt entwickelt sich ein Bewusstsein dafür.

Ich selber habe erlebt, wie das große Forensterben begann und musste mich letztlich dann leider auch von meinem Forum trennen. Der Wartungsaufwand, die ewigen Spams und Angriffe – All dies stand nicht mehr in Relation zum Nutzen. Früher gab es täglich über 100 neue Beiträge – Dann glich es einer Geisterstadt.

Inzwischen betreibe ich nur noch ein kleines Forum direkt in meiner Seite, welches von den Sicherheitsmechanismen der Blogsoftware WordPress profitiert. Bisher ist etwa genau so wenig los wie zuvor aber wer weiß… 🙂 Ich bin nach wie vor ein großer Fan der klassischen Webforen und Messenger-Dienste. Diese sind wesentlich persönlicher und direkter wie ich finde.

Welche Foren besucht ihr denn so noch? Und welche Messenger verwendet ihr? Falls Interesse besteht, hier sind meine Kontaktdaten für die Messenger:

ICQ: 126508440
AIM: Loras001

Den MSN/Windows Live Messenger gibt es ja nicht mehr, das läuft jetzt alles über Skype. Dort muss ich mich vermutlich noch mal anmelden. Lasst mich wissen, was ihr so noch an Diensten verwendet und welche Foren ihr öfters mal besucht, das würde mich echt mal interessieren. Natürlich freue ich mich auch, wenn ihr den Beitrag hier teilt und somit vielleicht dem schleichenden Tod der Messenger & Webforen entgegen wirken helft.

3 Gedanken zu “Social Network vs. Messenger – Sterben die klassischen Dienste aus?

  1. naja, ICQ und AIM wird deshalb immer weniger, weil Skype das gleiche bietet und dabei noch mehr und vorallem kompatibler.
    Zwar hat ICQ nachgerüstet, aber hat schon zuviele Nutzer verloren gehabt. Zudem werden Nutzer durch penetrante IN-Messager-Werbung genervt. Um das auf ein mindestmaß zu reduzieren, muss man einiges anpassen und gut aufpassen.
    AIMs vorteil der direkten Datenübertragung (die massiv schneller ist wie bei anderen Messagern wo das erst über die Server der Anbieter geht) ist durch Dropbox etc auch recht klein geworden.
    Trillian als „werbefreie“ Alternative ist auch ziemlich am Boden, weil es doch viele Probleme gibt, wenn der gegenüber nicht auch Trillian hat (z.B. Datenübertragung unter ICQ Kontakten ). Und selbst zwischen den Trillian Clients gibts manchmal Probleme.

    Zum Thema Facebook:

    Facebook ist eigentlich nur deshalb so erfolgreich geworden, weil ein Großteil der Jugend nachfolgender Geburtsjahre (ab 1990) ich will mal sagen nicht gerade mit Intelligenz und logischen Verständniss gesegnet sind. Da hatte es Facebook einfach die mit Versprechen zu ködern (genau wie Apple bei den Hipstern ). Das die damit ihren persönlichen Daten etc. diesen Unternehmen frei zur Verfügung gestellt haben, hat keinen interessiert. Hauptsache man war cool, hat den Trend mitgemacht und wurde nicht ausgeschlossen weil man sich nicht online postituierte.
    Zum Glück kehrt langsam das Verständniss dafür, das der Datenschutz wichtig ist wieder zurück, denn die Eltern der vorhergehenden Geburtsjahre haben ihren Kindern (die jetzt ins Jugendalter kommen) vernünpftige Werte beigebracht und auch umgesetzt. Was ich mich frage ist wenn die Hohlbrot Generation dann Kinder hervorbringt, wie die dann ihre Kinder erziehen. Wobei das bei manchen ja schon lange soweit ist (aka Teenieschwangerschaften, war ja auch ganz groß in den Medien, und die kamen genau aus der Hohlbrot Phase )
    Facebook wird aber mit der Zeit, wenn die nicht wirklich weiter Inovationen bringen genauso verschwinden wie Myspace, nur langsamer. Der einzige der profitiert hat war Zuckerberg und die Aktionärshaie.

  2. Hohlbrot Generationen gab es aber leider immer schon. Und ich denke mal, dass sich daran auch nie etwas ändern wird.

    Die Wahrscheinlichkeit einer voll ausgebildeten Gesellschaft wird auch nicht unbedingt größer, wenn man bedenkt, dass wir in der heutigen Zeit bereits Unmengen an Informationen aufnehmen und verarbeiten müssen um alleine das Tagesgeschäft zu erledigen. In einfachen Gesellschaften, die in kleinere, soziale Gruppen unterteilt ist und sich regelmäßig trifft (Stichwort Community Center) ist die Wahrscheinlichkeit inzwischen größer, auf herausragende Intelligenzen zu treffen.

    Also sind soziale Netzwerke an sich auch eher kontraproduktiv als dass sie jemandem nützen würden. Das klassische Forum bietet meines Erachtens nach größere Chancen auf kostruktive Beiträge. Vor allem, da ein Forenuser – insbesondere ein langjähriger User – auf seine Reputation achtet. Die Chance, hier auf einen Troll zu treffen ist ungleich kleiner.

    Daher nutze auch ich eher die klassischen Kommunikationswege.

  3. Hmm wie kommt ihr denn von Messengern auf „Hohlbrot Generationen“? Klar, das macht es den Social Networks einfacher, Daten abzuschnorcheln aber soziale Netzwerke gab es in der Menscheitsgeschichte doch immer schon. Nur sind sie heute eben digital.

    Nur die Qualität der Gespräche leidet eben wenn man es mit Hohlfrüchten zu tun hat^^

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