Warum ein bedingungsloses Grundeinkommen gut für alle ist

Home | Quelle: Pixabay.com | Lizenz: CC0 / GemeinfreiDas bedingungslose Grundeinkommen wird aktuell wieder diskutiert. Dabei handelt es sich um die Idee, dass jeder Bürger eines Landes monatlich vom Staat Geld in einer Höhe X bekommt. Einfach so.Eben bedingungslos.

Was im ersten Moment nach einer Idee aus einem Science-Fiction Epos klingt und auch beim zweiten Mal überlegen noch sehr fragwürdig aussieht oder zumindest als „unfinanzierbar“ abgestempelt werden könnte, ist bei genauerem Hinschauen allerdings eine fantastische Idee, welche einen Großteil unserer Gesellschaftlichen Probleme lösen kann – Und dabei auch noch gut für die Umwelt ist.

Vorwort:

Auch wenn ich vor einiger Zeit schon einmal mit „Recht auf Leben – Recht auf Geld“ einen Beitrag mit ersten Gedanken zu diesem Thema verfasst habe, so hat mich die aktuelle Diskussion samt der ersten Pilotprojekte in Europa doch noch einmal zu weiteren Gedankengängen inspiriert. Dazu möchte ich mich hier einfach mal auslassen.

Finanzierbar? Wie?

Erst einmal muss man sich vor Augen halten, wie viele soziale Projekte es in Deutschland gibt, die es sich zum Ziel genommen haben, die Misstände bei „klammen“ Familien oder gesellschaftlichen „Verlierern“ zu beseitigen oder zu lindern.Und keines davon zeigt durchschlagende Erfolge. Das sind einfach Dauer-Renner, weil das System – so wie es jetzt ist – seine eigenen Bürger frisst, sobald diese sich einen Moment der Schwäche erlauben.

Dann gibt es die Jobcenter, Arbeitsämter, staatlich finanzierten Projekte gegen Langzeitarbeitslosigkeit, Re-Integration in den Arbeitsmarkt, Zwangsveranstaltungen, bezuschusste Zeitarbeit im Niedriglohnsektor, private und behördliche Jobvermittler in zweiter Instanz und und und – Ich könnte den ganzen Tag so weiter machen.

All diese ganzen Projekte setzen am falschen Punkt an und tun vor allem nur eines: Geld kosten! Wenn jeder Bürger seinen festen, monatlichen Betrag zur Verfügung hätte, könnte dieser ganze, teils sogar inzwischen von systematischer Korruption durchzogene und aufgeblähte Verwaltungsapparat entfallen. Durch die hier eingesparten Kosten, wäre das bedingungslose Grundeinkommen bereits zu einem großen Teil bezahlt.

Stattdessen gäbe es dann private Unternehmen zur Arbeitsvermittlung – Denen die Industrie Geld bezahlt um an Mitarbeiter zu gelangen. Wie das? Komme ich gleich zu 🙂

Besser für die Industrie?

Das derzeitige System ist in seinen Grundfesten fehlerhaft und nicht mehr zeitgemäß. Es bremst die Wirtschaft und unsere technologische sowie gesellschaftliche Entwicklung. So wird die Entwicklung neuer Technologien seit Jahren aktiv ausgebremst – Aus Angst davor, dass diese zu viele Arbeitsplätze wegnehmen könnte. Und diese Angst ist durchaus begründet. Bereits während den Anfängen der industriellen Revolution ist den Staatenlenkern aufgefallen, dass technische Entwicklung – zum Beispiel im Bereich der Automatisierung – Arbeitsplätze wegfallen lässt. Damals ist dies nicht sonderlich ins Gewicht gefallen, da unzählige neue Märkte entstanden sind und dadurch letzten Endes mehr Arbeitsplätze geschaffen als vernichtet wurden. Doch schon bald merkte man, dass sich dieser Trend umkehrt.

Bei unserer heute vorhandenen Technologie könnten so viele Arbeitsplätze wegfallen, dass das Thema Arbeitslosigkeit wieder das universelle TopThema in der ersten Welt wäre. Aber genau darin liegt auch die große Chance. Wir sollten jede Tätigkeit, die von einer Maschine erledigt werden kann auch von einer Maschine erledigen lassen. Wenn die Menschen aufgrund ihres bedingungslosen Grundeinkommens nicht mehr von der Arbeit abhängig sind, brauchen wir auch keine Arbeitsstellen künstlich erhalten, die vermutlich schneller, kostengünstiger und effektiver durch eine Maschine besetzt werden könnten. Insbesondere Monotone oder auch gefährliche Stellen könnten so gefahrlos besetzt werden.

Dazu kommt der Fakt, dass die Konzerne auf diese Weise günstiger und mit höherer Qualität produzieren könnten – Und das auch ohne beispielsweise auf Kinderarbeit in der dritten Welt zurückgreifen zu müssen. Und Maschinen schließen sich nicht in Gewerkschaften zusammen, schlafen nicht und werden nicht krank.

Positive Auswirkungen auf die Gesellschaft?

Dass es den Bürgern mit einem bedingungslosen Grundeinkommen kurzfristig besser geht, steht ja erst einmal außer Frage. Aber das ist auch nur die Spitze des Eisbergs. Ich nehme hier mal ein Grundeinkommen von 1000€ im Monat an. Die Meisten Bürger würden also mindestens noch einen Minijob annehmen. Und davon gibt es auch bei ungebremster, technischer Entwicklung noch genug, denn auch bei maximaler Automatisierung gibt es noch extrem viele Jobs, die von Menschen gemacht werden müssen.

Eine Familie mit 2.Erwachsenen und einem Kind hätte also mindestens 2000€ plus einen reduzierten Kindersatz zur Verfügung, sagen wir einfach mal, dass dieser dem aktuellen Kindergeld von 199,00€ beim ersten Kind entspricht – Also 2,200€ im Monat.Für die meisten Familien würde das schon reichen – Mit einem Minijob dabei hätte man aber schon 2600,00€ oder gar 3000,00€ wenn beide Elternteile eine solche Stelle antreten würden. Und dann? Klar – Mehr Zeit für das Kind und die Familie. Und dadurch entstehen wieder neue Ideen. Und das alles ohne Druck und ohne Existenzängste.

Oder der glückliche Single mit 1000 €. Er könnte damit durchaus leben, aber keine großen Sprünge machen. (Immerhin wäre das mehr wie jetzt das Arbeitslosengeld 2). Mit einem Minijob hätte dieser schon 1.400€. Oder könnte studieren und dann etwas tun, was er sich immer schon gewünscht hat. Und hat alle Zeit der Welt, sich darauf vorzubereiten.

Und Menschen, die nicht arbeiten MÜSSEN, tun es zum größten Teil trotzdem.Das haben aktuelle Studien belegt. Nur gibt es dann mehr erfüllende, kreative Stellen zu besetzen.

Jedenfalls müsste niemand mehr einem anderen Menschen für ein paar Euro in eine dunkle Gasse folgen.

Besser für die Arbeitnehmer?

Für diejenigen, die sich dennoch entscheiden, eine Vollzeitstelle anzutreten, wären die Arbeitsbedingungen grandios. Denn auch, wenn der finanzielle Anreiz dann nicht im Vordergrund stehen muss, würden die Arbeitgeber dennoch um die Mitarbeiter werben müssen – Also anders herum wie es jetzt aktuell der Fall ist. Ansprechende Arbeitsplätze mit kreativen Herausforderungen werden geschaffen und bringen die Menschheit insgesamt weiter. Die Arbeitsmoral würde nun unbekannte Höhen erreichen.

Gut für die Umwelt?

Bisher pendeln abertausende Arbeiter in Nachbarstädte oder noch weiter. Dabei rumpeln ebenso viele Autos über die Straßen und verpesten unsere Luft. Nur um Geld zu verdienen. Künftige Minijobs sind aber eher lokal und würden keine weiten Autofahrten erfordern – Und die kreativen, neuen Stellen können oftmals auch vom heimischen Computer aus angetreten werden.(Stichwort: Online-Konferenz). Natürlich werden noch Menschen pendeln und es wird noch Liefer-Verkehr geben – Aber ich denke mal nur noch in der Hälfte des heutigen Aufkommens. Das ist nicht nur gut für die Umwelt sondern auch gut für die Städteplaner (Verkehrsinfarkt) und die Nerven der Autofahrer.

Refinanzierung & gesellschaftlicher Wachstum?

Wie bereits erwähnt, werden monotone, gefährliche und physisch Anspruchsvolle Aufgaben in diesem Konzept von Maschinen übernommen. Die Fertigung wird präziser, schneller und günstiger – Bei steigendem Output. Dadurch werden auch Produkte günstiger (sehen wir ja in der Elektronik Branche). Aber das Denken können uns Maschinen nicht abnehmen, nicht mal mit künstlichen Intelligenzen. Folglich wird es kreative Arbeit geben, Arbeit die uns alle weiter bringt. Ideen werden generiert und sind dank der Automation auch günstig testbar. Kunst, Kultur und Menschlichkeit werden wieder an erster Stelle stehen.

Um die Differenz zwischen den Ersparnissen die durch den Wegfall des „Arbeitsbeschaffungs-Komplexes“ (siehe oben) entstehen und der tatsächlichen Finanzierbarkeit des Projektes auszugleichen, ist jedoch auch eine Steuer-Reform erforderlich. Das Grundeinkommen muss natürlich komplett unversteuert bleiben. Darüber hinaus müssen die Unternehmen besteuert werden. Allerdings nicht am operativen Gewinn bemessen sondern vielmehr müsste es eine Steuer auf „Arbeit“ geben. Eine Gebühr quasi, die für den Einsatz von Arbeit anfällt. Somit können auch die Maschinen besteuert werden. Man muss dabei aber sicherstellen, dass auch im neuen System keine zu großen Belastungen für die Unternehmen erfolgen.

Wenn – aufgrund der neuen Gesetzeslage – ein Unternehmen in Deutschland die Erlaubnis hat, seine Fertigung komplett über Automation abzuwickeln, so steht es sich damit natürlich sogar noch günstiger als beispielsweise bei einer Fertigung in Fernost – Und kann die qualitativ hochwertigeren Produkte erzeugen. Das spricht dann natürlich für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Unterstützt durch die gebildete, sorgenfreie und somit höchst produktive Bevölkerung kann somit eine Grundlage für Weltkonzerne in einer Größenordnung geschaffen werden, die man sonst nur aus den USA kennt. Somit wird jeder Konzern dazu bereit sein, eine Art „Grundgebühr“ durch Verrechnung von Arbeitseinheiten an den Staat abzutreten.

Mit diesen Einnahmen ist es dann möglich, die Grundeinkommen und darüber hinaus noch die Infrastruktur und restliche Staatsausgaben zu finanzieren. Zusätzlich würden die Steuerbehörden entlastet.

Zukunft: Beteiligung am Staat?

Solche Systeme können langfristig nur zu einer freien, hoch entwickelten Gesellschaft führen, die sich selbst aus ihrem Schuldenproblem hinaus und in eine bessere Zukunft hineinbringt. Wenn Kunst und Bildung zeitgleich gefördert und ein adäquates Gesundheitssystem bereit gestellt werden, so wird der Staat langfristig schuldenfrei sein und auf einem soliden Fundament stehen. Letztlich werden sogar Überschüsse erzielt, an denen man die Bevölkerung beteiligen kann – indirekt über den Bau neuer, öffentlicher Schulen, Krankenhäuser oder anderer Infrastrukturprojekte. Und eines Tages sogar mit einer direkten „Gewinnbeteiligung“, welche sogar noch einen weiteren Schub in der gemeinschaftlichen Produktivitäts- und Entwicklungsbereitschaft hervorbringen würde.

Also dann – Lasst uns die Kräfte vereinen!

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