Werbeschaden

Sale | Quelle: Pixabay.com | Lizenz: CC0 / GemeinfreiEs ist mal wieder soweit – Ich muss mich mal wieder gründlich aufregen.

Und zwar geht es diesmal um Werbung auf den großen Webseiten. Wer meinen Blog schon eine Weile verfolgt, weiß dass ich bereits im März 2011 (damals noch unter nilenia.net) im Beitrag „Aus den wirren Weiten des Internets“ das erste mal wegen Werbung so richtig ausgetickt bin, aber auch TVSMILES, Gettings, Amazon und GMX haben inzwischen einen Stein bei mir im Brett.

Heute geht es mir aber eher um die grundsätzliche Gestaltung von Werbung auf Internet-Seiten. Und wie es manche Webmaster schaffen, dass eine Webseite aufgrund der Werbung überhaupt nicht mehr bedienbar ist.

Grundsätzlich ist Werbung auf einer Webseite ja okay – Das kann die Serverkosten decken und bei großen Websites sogar den ein oder anderen Redakteur bezahlen. Habe ich nix gegen – Mache ich selbst so. Der Erlös aus solchen Anzeigen ist jedoch sehr mickrig und kaum der Rede wert. Manch einer versucht dem entgegenzuwirken, indem die Werbung deutlich aggressiver wird. Doch manche Websites gehen mir da einfach zu weit. Hier ein paar Beispiele.

1.) Der Werbefilm (Teil 1)
Es ist ja oftmals bei Videobeiträgen so, dass man vor dem eigentlichen Videobeitrag einen kurzen Werbefilm anschauen muss. Der geht meistens um die 15 Sekunden und kann meistens nach ein paar Sekunden übersprungen werden. Damit bin ich sogar noch einverstanden. Einige der größeren Newsportale erlauben allerdings kein Überspringen – Und zeigen darüber hinaus nicht einen kurzen Werbefilm sondern gleich einen Werbeblock. So muss man für ein zwei-minütiges Video durchaus schon mal 10 Minuten für Werbung investieren. Nur um dann zu sehen, dass das gewünschte Video mit seinem Titel entweder kaum etwas gemein hat oder nichts weiter beinhaltet als eine vorgelesene Version des Teasers, den man sowieso schon gelesen hat. Prädikat: Abartig und Verschwendung von Lebenszeit!

2.) Der Werbefilm (Teil 2)
Andere Websites – unter Anderem die größeren Spielewebsites zeigen inzwischen schon Werbefilme, die man sich anschauen muss um überhaupt erst einmal auf die Webseite zu gelangen. Kurz mal recherchieren oder etwas nachlesen? Unmöglich – Vor allem nicht mit mobilen Geräten.

3.) Die Werbewand
Sehr beliebt bei einigen großen Webseiten ist es, den kompletten Hintergrund der Seite zu einer einzigen Werbefläche umzustrukturieren. Das Ergebnis ist: Wenn man einmal einen Link auf der Seite angeklickt hat, wird das aktive Fenster verschoben. Man kann also auf der eigentlichen Seite nicht mehr scrollen, es sei denn man klickt irgendwo hin. Instinktiv klickt man dann meistens den Hintergrund an, um die Seite wieder als aktives Fenster zu markieren – Und schon öffnet sich die ungewünschte Werbung. Den Inhalt nimmt man nicht wahr – Weil einen die Werbung nicht interessiert. Das Werbefenster nervt nur und wird sofort wieder weg geklickt. Aber Hauptsache der Provider hat mal eben Geld für einen Klick kassiert. Unsinnige Nerverei um auch den letzten Cent herauszuquetschen.

4.) Der Point of View
Manche Werbung ist groß und grell und blinkt. Das lenkt extrem von den Artikeln ab und verhindert dass man sich konzentriert. Nur gut, dass die Anzeige verschwindet wenn man runter scrollt um weiter zu lesen. Moment. Geht nicht? Weil der Werbebanner sich immer mit bewegt? Und dann bei jeder Bewegung noch mal extra viel blitzt und blinkt? Ja, genau – Auch das sehen wir inzwischen auf vielen Websites. Werbung, die man nicht weg klicken kann, da sie sich immer mit bewegt. E k e l h a f t!

5.) Der Blocker-Blocker
All das spielt natürlich keine Rolle, wenn der Benutzer sich dazu entscheidet, einen Werbeblocker einzusetzen. Die schützen vor Schadcode, der in manchen Werbeanzeigen untergebracht ist und zugleich sind sie eine wichtige Institution, wenn Kinder mit am Computer sitzen. Doch einige Websites, so wie beispielsweise die der „Bild“ (natürlich nicht für Kinder geeignet) lassen selbst das nicht mehr zu. Wer einen Werbeblocker einsetzt, wird einfach von der Webseite ausgeschlossen. OK, in diesem Beispiel aus verschiedenen Gründen nicht weiter bedauerlich und der Betreiber einer Seite hat natürlich „Hausrecht“ – Ich finde dennoch, dass man den Besuchern die Entscheidung selber überlassen sollte. Ein freundlicher Hinweis „Sie nutzen einen Adblocker – Aber wir sind jung und brauchen das Geld“ – Das reicht völlig aus.

6.) Die Umfrage
Meinungen (und damit Daten) zu sammeln liegt voll im Trend. Daten bringen schließlich Geld. Viel Geld. Das haben manche Spieleportale auch inzwischen erkannt und schalten Umfragen. Eine Umfrage ist an sich erst einmal nichts Schlimmes – solange sie freiwillig ist. Allerdings muss man auf manchen Websites inzwischen an Umfragen teilnehmen um überhaupt Beiträge lesen zu können! Oftmals geht es dabei auch um Produkte, über die man sich vor der Teilnahme an besagter Umfrage erst einmal informieren muss. Das geht überhaupt nicht. Wer so etwas auf seine Webseite bringt, sieht mich nie wieder.

Was ist nur los mit euch? Die Taschen noch nicht voll genug gestopft? Muss es noch die dritte GTX1080 sein? Oder der Ferrari für die Praktikantin? Was aktuell so auf den Websites los ist, finde ich nicht nur sehr traurig sondern auch höchst beunruhigend.

Jeder Banner, jede Anzeige, jede noch so kleine Grafik installiert derweil einen Tracking-Cookie im Browser des Besuchers. Über diesen Cookie wird der weitere Verlauf der Sitzung und teilweise auch der Verlauf des Browsers mitgelesen. Webseiten tracken so, wo man her kommt, wie man auf die Seite kam und was man sonst noch so aufsucht. Teilweise können inzwischen sogar Eingaben  aus Webformularen mitgetrackt werden – Wer also mal seine Mailadresse irgendwo eingegeben hat, darf sich dann gleich ungefragt über eine Emailflut freuen.

Wann lernen diese Marketingstrategen endlich, dass sie sich damit nur den Unmut der Leute zuziehen? Es nervt einfach nur noch!

Und den Normalsterblichen soll gesagt sein: Ihr habt Angst davor, dass euch Regierungen ausspionieren? Und wehrt euch gegen immer neue Überwachungsgesetze? Dann wehrt euch auch mal gegen aggressive Werbung im Internet. „Adblock Plus“ und „noScript“ sind eure Freunde – Sucht einfach mal danach. Und wenn ihr einen Provider / Webseitenbetreiber unterstützen wollt, dann schaltet die Funktionalität der Blocker für dessen Website ab. Wenn derjenige euch dann nicht mehr auf die Seite lässt – Dann war’s sowieso keine gute Seite. 🙂

Die Diagnose? Funktioniert eine Website nicht ohne Werbeanzeigen? Dann ist es ein akuter Fall von Werbeschaden.

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